Mut zur Lücke! Interview mit dem Digital-Strategen Johannes Kleske

Johannes_Kleske

Auf der Suche nach Tipps für den Umgang mit den anschwellenden Datenströmen befragen wir einen Experten, der sich Tag für Tag mit den Neuerungen der Digitalen Revolution befasst: Der smarte Johannes Kleske von der Berliner Agentur Third Wave!

Hello-Smart: Wie schaffst Du es in deinem Beruf mit der immensen Informationsflut umzugehen?
Die Zeiten, in denen man immer bei allen Themen „on top“ sein konnte, sind vorbei. Es mag sein, dass es früher mal so war, dass man morgens die Tageszeitung durchgescannt hat und danach über alles Wichtige informiert war. Das ist heute nicht mehr möglich. Dafür gibt es einfach zu viele Themen und zu jedem Thema zu viele Informationen. Das ist nun wahrlich keine große Erkenntnis, aber wohl doch eine, die wir erst verinnerlichen müssen.

Was müssen wir ändern im Umgang mit Informationen?
Es entspricht unserer Gewohnheit, Informationen so zu verarbeiten, wie wir mit unserem Briefkasten umgehen. Wenn wir ihn öffnen, leeren wir ihn komplett und arbeiten alle neuen Eingänge durch. Das Prinzip hat auch lange mit E-Mail-Programmen, Feedreadern, Twitter und anderen Diensten funktioniert. Aber inzwischen ist es in der Regel so, dass ständig so viel Neues in unseren Eingangskörben landet, dass wir nicht mehr hinterherkommen. Es ist ein ständiger Fluss von Informationen geworden, der nie mehr abreißt. Deswegen ist das wichtigste Prinzip nach meiner Erfahrung im Umgang mit Informationen, den Anspruch abzulegen, alles mitbekommen zu wollen und „on top“ zu sein. Ich muss meine Angst überwinden, etwas zu verpassen. Das ist für mich eine essenzielle Fähigkeit im 21. Jahrhundert und wahrlich eine, die mir nicht leichtfällt. Das Interesse am Neuen ist eine der treibenden Kräfte in meinem Leben.

Und wie gehst du konkret damit um?
Praktisch bedeutet dieser Ansatz zum Beispiel, dass ich bei weitem nicht mehr alles lese, was meine Kontakte auf Twitter schreiben. Die Anzeige der ungelesenen Artikel im Feedreader habe ich auch schon lange ausgeschaltet. Stattdessen behandle ich den ständigen Informationsfluss als genau solchen: Einen Fluss, in den ich immer wieder hineingreife und per Zufallsprinzip schaue, was es gerade so Interessantes gibt.

Was hilft dir dabei?
Ich lasse mich von Aggregatoren und Kuratoren unterstützen. Aggregatoren sind Dienste, die mit Algorithmen den Informationsfluss filtern und zum Beispiel häufig genannte Links herausfischen (Beispiele: Rivva, techmeme, summify). Sie verschaffen einen guten Überblick was beispielsweise das eigene Umfeld gerade interessant findet. Kuratoren wiederum sind einzelne Leute mit einer starken Kompetenz in einem bestimmten Bereich, die aus ihrem Informationsfluss die interessantesten Inhalte zu dem Bereich auswählen und aufbereiten (Beispiel: Brain Pickings). So helfen mir Mensch und Maschine sowie eine entspannte Grundhaltung und Serendipity (ein wunderbarer englischer Begriff, der sich leider kaum übersetzen lässt) beim Umgang mit der Informationsflut. 


Johannes Kleske ist Gründungspartner der Berliner Agentur Third Wave und arbeitet als Stratege und Berater für digitale Kommunikation. Seine Kunden sind Konzerne wie die Deutsche Telekom, die Postbank, MTV und Nike. Außerdem ist er ein begehrter Redner auf Konferenzen und in Uni-Sälen.


Image by Johannes Kleske