Digitaler Entscheidungshelfer – Sebastian Pioch im Interview

Der proofler des Hamburger Startups Vedaserve soll bei Treffen von Entscheidungen mit Konsequenzen helfen.

sebastian-pioch_image 250x150Besonders begeisternd sind digitale Anwendungen immer dann, wenn sie es uns ermöglichen unkompliziert zusammenzuarbeiten und miteinander zu kommunizieren. Zum Beispiel Doodle – wir nutzen diese kostenlose Anwendung schon seit Jahren, um bequem gemeinsame Termine mit unseren Kollegen zu finden. Jetzt hat das Hamburger Startup Vedaserve eine Art Doodle für gemeinsame Entscheidungsfindung gebaut – den proofler.

“Welchen Studiengang soll ich wählen?” oder “In welches Altersheim bringen wir denn nun unsere Oma?” – Sebastian Pioch hat für solche drängenden Fragen des Lebens eine Methode entwickelt, die uns allein oder in der Gruppe viel Zeit und vielleicht auch schlaflose Nächte spart. Wir sprachen mit dem sympathischen Wissenschaftler in Hamburg.

Hallo Sebastian! Du hast gemeinsam mit drei weiteren Gründern einen Dienst namens proofler entwickelt, mit dem man einfach und zügig komplexe Entscheidungen lösen soll. Was ist der Clou?

Der Clou besteht zum Einen darin, dass man mit dem proofler Entscheidungen so trifft, dass man sowohl den Kopf als auch das Bauchgefühl miteinfließen lassen kann. Zum Anderen kommt man häufig dadurch, dass man Freunde, Bekannte und Experten zu der Entscheidungsfindung einladen kann, auf neue Optionen und Entscheidungskriterien, an die man vorher noch gar nicht gedacht hat.

Was sind aus eurer Sicht die besten Fragestellungen zu denen der proofler herangezogen werden sollte?

Der proofler eignet sich besonders für Entscheidungen “mit Fallhöhe”. Sprich für Situationen, in denen es für den Entscheider um tatsächliche Konsequenzen geht. Wir treffen zwar täglich tausende Entscheidungen, aber nicht alle haben solche Konsequenzen für uns. Wenn ich mich in einem Restaurant für das falsche Gericht entscheide ärgere ich mich vielleicht einen Moment darüber, die Entscheidung für den falschen Studiengang kann jedoch mein ganzes Leben verändern.

Eure Methode ist wissensbasiert. Was bedeutet das genau?

Damit ist das “Intelligence-Konzept” gemeint. Viele Menschen treffen Entscheidungen entweder nur aus dem Bauch heraus oder aufgrund von statistischen Berechnungen. Unser Ansatz berücksichtigt darüber hinaus relevante Informationen und Erfahrungen Dritter.

Trotzdem erfordert die Anwendung von proofler keine Vorkenntnisse?

Das ist richtig. Der proofler bietet Hilfe zur Selbsthilfe und führt Nutzer durch einen Prozess, für den keinerlei Vorkenntnisse benötigt werden. Allein durch diesen Prozess glauben wir, viele Entscheidungen verbessern zu können. Die meisten Leute haben nämlich keinen wirklichen Prozess für ihre Entscheidungen. Sie sehen eine Option und beschäftigen sich sofort intensiv damit. Schlauer wäre es, die erste Option zur Seite zu legen und sich auf die Suche nach zwei, drei weiteren Optionen zu machen. Im Wald legt man ja auch erst mal alle Pilze in den Korb und sortiert zu Hause die wirklich guten heraus.

Muss ich den Entscheidungsprozess aktiv begleiten und gestalten oder warte ich wie bei Doodle einfach auf die Benachrichtigung, dass die anderen Teilnehmer ihre Argumente eingetragen haben und das Gesamtergebnis ausgespuckt wird?

Sowohl als auch. Der wesentliche Unterschied zu doodle ist, dass ich den proofler auch alleine nutzen kann. Könnte ich bei doodle auch, aber wer stimmt schon Termine mit sich selbst ab? Der proofler führt den User durch die Schritte “Sammeln”, “Bewerten” und “Entscheiden”. Wenn ich meine Freunde zu der Entscheidung eingeladen habe, macht es durchaus Sinn, auf ihr Feedback zu warten und sich darüber hinaus ohnehin Zeit für die Entscheidung zu nehmen.

Ihr seht den proofler als smartes Helferlein für die “Life-Intelligence”. Ist es trotzdem okay, wenn ich mich am Schluss bewusst gegen die ermittelte Antwort entscheide?

Absolut! Wie gesagt, der proofler versteht sich es als Hilfe zur Selbsthilfe. Viele Tools haben sich bereits die Zähne an dem Ansatz zur künstlichen Intelligenz ausgebissen. Uns geht es nicht darum, ein Orakel zu werden sondern wir wollen Nutzern etwas an die Hand geben, damit sie sich leichter entscheiden können und dann mit ihrer Wahl zufrieden ist. Wenn uns das gelingt, haben wir schon eine Menge erreicht.


Teaser & Image by Sebastian Pioch

Hinweis: Dieses Interview erschien vorab im Magazin Netzpiloten.de