Der Crowdfunding Experte Wolfgang Gumpelmaier im Interview

Alternative Projektförderung – Der Crowdfunding-Experte Wolfgang Gumpelmaier  beantwortet uns ein paar Fragen zur neuen Finanzierungsform.


Beim Crowdfunding werden Privatleute zu Investoren, die sich in der Regel mit kleineren Beträgen an der Verwirklichung eines Projekts beteiligen können. Welche Projekte eigenen sich hierfür besonders?

Foto: Roland Wimmer

Image by Roland Wimmer

Laut einer Crowdfunding-Studie von Ikosom sind es vor allem Veranstaltungen, Filme und Musikprojekte, die bisher via Crowdfunding auf den deutschsprachigen Plattformen unterstützt wurden. Grundsätzlich aber hat jede kreative Idee das Potenzial, über die Crowd realisiert zu werden. Einfluss auf den Erfolg hat unter anderem die Höhe der aufzubringenden Summe, die Ausgestaltung der Prämien, die man als Gegenleistung für eine Unterstützung erhält, sowie das mitgebrachte Netzwerk. Und natürlich spielt die Kommunikation eine große Rolle: Je transparenter und regelmäßiger über ein Projekt kommuniziert wird, desto eher hat es Aussicht auf Erfolg.

Wie kommt eine Crowdfunding-Kampagne über den eigenen Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis hinaus in Schwung?

Wichtig ist es, sich in der Planungsphase zu überlegen, welche Zielgruppen man erreichen will. Diese Gruppen spricht man wenn möglich direkt an, oder man versucht, Influencer und Meinungsbildner für das Projekt zu gewinnen. Dazu gehören unter anderem Journalisten, Blogger, aber auch Menschen, die sich für eine Sache einsetzen und als Multiplikatoren wirken. Für das Crowdfunding des Facebook-Romans „Zwirbler“ sprachen wir z.B. Blogger mit Interesse an Social Media oder Literartur an sowie Firmen, die an den Gegenleistungen interessiert sein könnten. Außerdem haben wir diverse Multiplikatoren und Fans in eine geheime Gruppe eingeladen, die dann unser Projekt in ihre Kreise trugen.

Wie schätzt du das Potenzial dieser neuen Finanzierungsform ein?

Hohes Potenzial ist bereits jetzt gegeben, auch wenn diese Form der Projektfinanzierung noch sehr neu ist im deutschsprachigen Raum. Es fehlen noch viele weitere „Vorzeigeprojekte“, die auch die breite Masse erreichen. Momentan müssen wir noch sehr viel Bewusstsein für Crowdfunding schaffen; in ein, zwei Jahren sieht die Sache sicher anders aus. Crowdfunding wird dann zum fixen Bestandteil einer alternativen Projektförderung gehören!


Wolfgang Gumpelmaier beschäftigt sich seit über fünf Jahren mit Crowdfunding. Er hat zahlreiche Projekte beraten und erfolgreich finanziert, ist am Institut für Kommunikation in Sozialen Medien (ikosom) tätig, hält Vorträge, Workshops und Webinare, ist Mitglied im German Crowdfunding Network und begleitet mit seinem Online-Workshop Crowdfunder bei der Planung ihrer Kampagnen.